Foto: Boris Johnson, über dts Nachrichtenagentur

Rück­schlag für Johnson — Weitere Brexit-Ver­schiebung rückt näher

London — Eine erneute Brexit-Ver­schiebung rückt ein Stück näher. Das bri­ti­sches Par­lament setzte am Diens­tag­abend mit 328 zu 301 Stimmen gegen den Willen von Pre­mier­mi­nister Boris Johnson durch, dass am Mittwoch über ein Gesetz abge­stimmt werden kann, das eine weitere Brexit-Ver­schiebung möglich macht. Die am Mittwoch zu bera­tende Geset­zes­vorlage soll Johnson dazu zwingen, in Brüssel um eine Brexit-Ver­schiebung bis 31. Januar 2020 zu bitten, wenn nicht bis 19. Oktober ein Aus­tritts­ab­kommen mit der EU rati­fi­ziert wird — oder wenn das Par­lament bis dahin einem No-Deal-Brexit zustimmt.
Johnson sagte unmit­telbar nach der Nie­derlage im Par­lament am Diens­tag­abend, ein solches Gesetz würde der EU die Mög­lichkeit geben, zu ent­scheiden, wann Groß­bri­tannien tat­sächlich aus­tritt. Der gesamte Prozess werde weiter ver­zögert. Es wird erwartet, dass der Pre­mier­mi­nister nun sei­ner­seits ver­suchen wird, Neu­wahlen für den 14. Oktober anzu­setzen. Dafür sind ver­schiedene Stra­tegien im Gespräch, regulär bräuchte er dafür eigentlich eine Zwei­drit­tel­mehrheit, die in weiter Ferne liegt. Johnson hat seit Dienstag nicht einmal mehr eine ein­fache Mehrheit: Nachdem ein Abge­ord­neter der Kon­ser­va­tiven die Seiten gewechselt hat, führt der Pre­mier­mi­nister nun auch ganz prak­tisch eine Min­der­heits­re­gierung an. Schon zuvor waren die “Torys” auf eine Tole­rierung durch die nord­irische DUP angewiesen.


Quelle: dts