Kurdische Gemeinde warnt vor gewaltsamen Konflikten in Deutschland

Kurden demonstrieren, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, hat angesichts der Militäroffensive der Türkei gegen die Kurden in Nordsyrien vor gewaltsamen Auseinandersetzungen in Deutschland gewarnt. "Erdogan hat die Türkei in allen Bereichen gleichgeschaltet", sagte Toprak dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Dienstagsausgaben). "24 Stunden am Tag werden die Menschen in den Medien mit nationalistischer Hetzpropaganda berieselt, auch in Deutschland. Die Ditib-Moscheen hier, die direkt der türkischen Religionsbehörde und damit Erdogan unterstellt sind, tun alles, damit die Türken die nationalistische Politik Erdogans unterstützen."

Die Kurden würden "sicherlich weiterhin mit demokratischen Mitteln demonstrieren", fügte Toprak hinzu. "Aber wir wissen nicht, welche Verbrechen in den nächsten Tagen noch passieren. Und natürlich kann es zu Provokationen kommen." In einigen Städten habe es leider schon die ersten kleineren Ausschreitungen gegeben. "Je länger es dauert und je brutaler es wird, desto verzweifelter werden die Menschen auch hier." Er beklagte, dass die Bundesregierung bisher nicht auf die Kurden in Deutschland zugekommen sei. Das sei "die nächste Enttäuschung". Denn während der französische Präsident Emmanuel Macron eine Delegation kurdischer Vertreter empfangen habe, "haben wir von der Bundesregierung diesbezüglich wenig mitbekommen. Ich hätte ein Gesprächsangebot erwartet und mehr Unterstützung erhofft", so Toprak. "Viele Kurden sind ja auch deutsche Staatsbürger; Deutschland ist ihre neue Heimat. Bisher hatten wir nur auf Staatssekretärsebene Kontakt mit dem Auswärtigen Amt. Dabei müssen wir die Situation im Inland gemeinsam kontrollieren und dafür sorgen, dass die Anspannung nicht explodiert." Der Vorsitzende der Kurdischen Gemeinde forderte drastische Maßnahmen gegen die Türkei. "Die EU-Beitrittsverhandlungen müssen endgültig beendet werden", sagte er dem RND. "Sämtliche Waffenexporte in die Türkei müssen sofort gestoppt werden. Auch alle wirtschaftlichen Hebel müssen angewendet werden, etwa die Hermes-Bürgschaften der Bundesrepublik. Die NATO-Mitgliedschaft der Türkei muss in dieser Situation ebenfalls infrage gestellt werden." Sonst werde es nicht gelingen, Erdogan zu stoppen.

Foto: Kurden demonstrieren, über dts Nachrichtenagentur