Verhaltensökonom rät zur Zwangsinstallation bei Corona-Apps

Smartphone-Nutzerin, über dts Nachrichtenagentur

Köln (dts Nachrichtenagentur) – Der Erfolg von Smartphone-Apps im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Coronavirus hängt entscheidend von der Zahl der Nutzer ab. Deswegen raten Verhaltensökonomen zu einer automatischen Installation der Programme: "Die vielleicht wichtigste Herausforderung ist, dass möglichst viele mitmachen. Dafür gibt es statistische und epidemiologische Gründe, aber auch verhaltenswissenschaftliche Gründe, denn die Teilnehmerzahl ist selbstverstärkend: Je mehr mitmachen, desto stärker die Norm und desto größer die Bereitschaft und der Wunsch, selbst mitzumachen", sagte der Kölner Ökonom Axel Ockenfels der "Welt" (Mittwochsausgabe).

Er plädierte daher dafür, bei der Verbreitung der Anwendungen ein "bisschen Zwang" einzusetzen. "Viele Menschen sind bequem, sodass die Entscheidung für die App ganz einfach und leicht sein sollte. Deswegen kann es großen Unterschied machen, ob man die App automatisch auf alle Smartphones installiert und bei der Installation beantworten muss, ob man `out-opten` möchte, oder ob man einfach nur gebeten wird, freiwillig die App zu installieren und zu benutzen", so der Verhaltensforscher weiter. Studien in vergleichbaren Fällen hätten gezeigt, dass der minimale Einsatz von Zwang in Form eines automatischen Updates der Smartphones für die Nutzer keinen Unterschied ausmache, aber dennoch zu mehr als 50 Prozent mehr Nutzung führe. Zudem komme es darauf an, wie die Macher ihr App-Konzept gegenüber den Nutzern präsentieren. "Eine App, die uns hilft, in gemeinsamer Kooperation gegen das Virus zu kämpfen, dürfte erfolgreicher sein als dieselbe App, bei der es heißt, dass ich andere über mein Risiko informieren soll", sagte Ockenfels der "Welt". Viele Menschen seien freiwillig bereit, sich an die Regeln zu halten und zu kooperieren, wenn die Kosten dafür sehr gering seien, der gesellschaftliche Nutzen aber sehr groß und sich viele andere auch an die Regeln hielten.

Foto: Smartphone-Nutzerin, über dts Nachrichtenagentur