SPD-Gesundheitsexperte fürchtet voreilige Öffnung von Kitas

Kita, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnt vor Hoffnungen, Kitas könnten schon bald wieder in den Normalbetrieb gehen. "Eine generelle Öffnung der Kitas würde uns bei der Bekämpfung der Epidemie weit zurückwerfen", sagte Lauterbach den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Mittwochsausgaben). "Dann müssten wir den ganzen Herbst dichtmachen", so der SPD-Politiker weiter.

Es sei ein schwerwiegender Fehler gewesen, vor Wochen keine wissenschaftlichen Studien gestartet zu haben, inwiefern Kinder das Covid-19-Virus übertragen. "Wir müssen wissen, wie infektiös die Kleinen sind. Das haben wir versäumt", sagte Lauterbach. Dies nachzuholen, werde Zeit brauchen. Vernünftig und beherrschbar sei der Weg, die Notbetreuung in Kitas zu erweitern, damit mehr Menschen mit systemrelevanten Jobs wieder arbeiten könnten. Das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Essen hat den Bedarf an Betreuungsplätzen von berufstätigen Eltern in einer Studie, über welche die Zeitungen berichten, untersucht. Demnach sind 53 Prozent aller Kinder, die zwischen null und zwei Jahren in Kita oder Tagespflege betreut werden, Kinder von berufstätigen Eltern oder Alleinerziehenden in Teil- oder Vollzeit (421.000 Kinder). Minijobs seien hierbei nicht berücksichtigt. Bei den Drei bis Sechsjährigen seien schon 61 Prozent aller betreuten Kinder von berufstätigen Paaren oder Alleinerziehenden. Bei den Grundschulkindern betrage dieser Anteil 60 Prozent, heißt es in der Studie. Das seien 1.806.000 Kinder, deren Eltern nun beides stemmen müssen. Der Anteil der Grundschulkinder aus alleinerziehenden Familien, bei der die Betreuungsperson in Teil- oder Vollzeit arbeitet, betrage zehn Prozent. Das seien 292.000 Kinder, heißt es in der RWI-Studie. "Mehr als die Hälfte aller Kindergarten- und Grundschulkinder lebt bei Elternteilen, die aufgrund ihrer Erwerbssituation eigentlich keine dauerhafte Betreuung leisten können, diese Aufgabe aber nun schon seit Wochen stemmen müssen. Denn im Gegensatz zu normalen Ferienzeiten fallen derzeit auch Großeltern und andere Betreuungsangebote als Alternativen weg", sagte Sandra Schaffner, Leiterin des Forschungsdatenzentrums Ruhr am RWI, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

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