Klimaforscher Rahmstorf kritisiert neues EU-Emissionsziel

Windräder, über dts Nachrichtenagentur

Potsdam (dts Nachrichtenagentur) – Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf sieht fünf Jahre nach dem Pariser Abkommen stetig wachsenden Druck für dessen Umsetzung. Die vom EU-Gipfel beschlossene Emissionsreduktion um 55 Prozent bis 2030 hält er jedoch für ungenügend, sagte er dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland" (Samstagausgaben). "Durch das extreme Wetter und `Fridays for Future` ist ein erheblicher Druck auf die Politik entstanden, das Pariser Abkommen nun endlich umzusetzen."

Das sehe man nicht zuletzt auf europäischer Ebene. "55 Prozent Emissionsreduktion in der Europäischen Union bis 2030 sind ein großer Fortschritt zu dem, was wir vor Paris hatten." Damals hätten die deutschen Umweltverbände genau diese 55 Prozent Reduktion gefordert. "Heute hat der EU-Gipfel diese Forderung beschlossen– und Klimabewegung und viele Wissenschaftler sind bereits enttäuscht. Das Europaparlament hat 60 Prozent Senkung gefordert, das finde ich ein vernünftiges Ziel." Im Pariser Klimaschutzabkommen wurde vor fünf Jahren beschlossen, die globale Erwärmung auf "deutlich unter zwei Grad" zu beschränken. Dieses Ziel sei bereits Ergebnis eines Kompromisses gewesen, sagte Rahmstorf dem RND. "Zwei Grad reichen einfach nicht. Bereits bei 1,7 oder 1,8 Grad werden wir weltweit den Großteil der Korallenriffe verlieren, bei zwei Grad werden wir alle verlieren." Ein weiteres Problem sei der Verlust der großen Eisschilde, wie etwa auf Grönland. "Es gibt einen Kipppunkt, an dem das Schmelzen des Grönlandeises unaufhaltsam wird. Wir wissen aber nicht, wo er genau liegt", so der Wissenschaftler. Mit jedem Zehntel Grad über 1,5 Grad hinaus steige das Risiko, dass man ihn überschreite und Inselstaaten und Küstenstädte aufgeben müssten. Das 1,5-Grad-Ziel der Klimabewegung dürfe aber nicht absolut verstanden werden: "Bei einer Erwärmung über 1,5 Grad wird die Welt nicht mit einem großen Knall untergehen – diese Panik mancher Aktivistinnen und Aktivisten ist unbegründet. Aber wir laufen in ständig größere Risiken hinein und werden immer mehr verlieren, an Biodiversität, an Ökosystemen – mit jedem Zehntel Grad, das wir über die 1,5 Grad hinausgehen."

Foto: Windräder, über dts Nachrichtenagentur