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Labbadia verlässt den VfL Wolfsburg am Saisonende

Fans des VfL Wolfsburg, über dts Nachrichtenagentur

Wolfsburg (dts Nachrichtenagentur) – Cheftrainer Bruno Labbadia verlässt den Fußball-Erstligisten VfL Wolfsburg am Saisonende. Labbadia habe die Geschäftsführung und die Mannschaft über die Entscheidung, seinen bis 30. Juni dieses Jahres laufenden Kontrakt bei den Wölfen nicht verlängern zu wollen, am Dienstagnachmittag informiert, teilte der VfL Wolfsburg am Dienstagnachmittag mit. Auch die beiden Assistenztrainer Eddy Sözer und Olaf Janßen sowie Rehatrainer Günter Kern würden den VfL am Ende der Saison verlassen, hieß es.

"Ich habe mir in den vergangenen Wochen Gedanken über die Zukunft gemacht und bin nun zu dem Entschluss gekommen, dass ich dem VfL Wolfsburg ab dem Sommer nicht mehr zur Verfügung stehe. Eine weitere Zusammenarbeit wäre für den VfL nur zielführend und sinnvoll, wenn ein konsequenter fachlicher Austausch zwischen den sportlichen Verantwortlichen über die gesamte Saison gegeben wäre. Da unsere Vorstellungen nicht zu einhundert Prozent übereinstimmen, habe ich für mich diesen Entschluss gefasst", sagte Labbadia zu seiner Entscheidung. Das Trainerteam habe die Entscheidung der gesamten Mannschaft gerne persönlich mitteilen wollen und "daher haben wir uns entschieden, das noch vor der Länderspielpause zu machen. Jetzt konzentrieren wir uns darauf, die Saison mit Vollgas zu einem erfolgreichen Ende zu bringen", so Labbadia weiter. VfL-Geschäftsführer Jörg Schmadtke sagte, man sei überrascht über den Zeitpunkt der Entscheidung von Labbadia, "da wir gerne das von beiden Seiten geplante ergebnisoffene Gespräch mit ihm geführt hätten. Dass es dazu jetzt nicht kommt, ist schade, aber wir respektieren seine Entscheidung." Labbadia hatte den Posten des Cheftrainers beim VfL Wolfsburg am 20. Februar 2018 von Martin Schmidt übernommen. Er schaffte mit der Mannschaft am Ende der abgelaufenen Saison den Klassenerhalt in den Relegationsspielen gegen Holstein Kiel.

Foto: Fans des VfL Wolfsburg, über dts Nachrichtenagentur

DAX lässt nach – Fresenius Medical Care legt kräftig zu

Frankfurter Wertpapierbörse, über dts Nachrichtenagentur

Frankfurt/Main (dts Nachrichtenagentur) – Am Dienstag hat der DAX nachgelassen. Zum Xetra-Handelsschluss wurde der Index mit 11.524,17 Punkten berechnet, ein Minus in Höhe von 0,17 Prozent im Vergleich zum Vortagesschluss. An der Spitze der Kursliste standen kurz vor Handelsschluss die Wertpapiere von Fresenius Medical Care mit kräftigen Kursgewinnen von über einem Prozent entgegen dem Trend im Plus, gefolgt von RWE und von Merck.

Marktbeobachter sehen die Ankündigung der Fresenius-Dialysetochter, im Zeitraum vom 12. März bis zum 10. Mai maximal sechs Millionen Stammaktien zu einem Gesamtkaufpreis von bis zu 330 Millionen Euro zurückzukaufen, als Grund für die kräftigen Kursgewinne. Dies gab das Unternehmen am Montag nach Börsenschluss bekannt. Die erworbenen Aktien sollten einzig dazu dienen, das Grundkapital der Gesellschaft durch Einziehung der Aktien herabzusetzen. Das Programm entspreche rund 1,6 Prozent des Grundkapitals der Gesellschaft, hieß es weiter. Die Anteilsscheine von Wirecard rangierten kurz vor Handelsschluss mit starken Kursverlusten von über vier Prozent am Ende der Liste, gefolgt von der Deutschen Bank und von Volkswagen. Die europäische Gemeinschaftswährung tendierte am Dienstagnachmittag stärker. Ein Euro kostete 1,1294 US-Dollar (+0,27 Prozent).

Foto: Frankfurter Wertpapierbörse, über dts Nachrichtenagentur

May wirbt für Brexit-Deal im britischen Unterhaus

Theresa May, über dts Nachrichtenagentur

London (dts Nachrichtenagentur) – Großbritanniens Premierministerin Theresa May hat kurz vor der möglicherweise entscheidenden Abstimmung über das Brexit-Abkommen im britischen Unterhaus noch einmal mit Nachdruck für den Deal geworben. Die Regierung habe hart dafür gearbeitet und der "verbesserte Brexit-Deal" verdiene nun die Unterstützung aller Abgeordneter, sagte May am Dienstagnachmittag im Parlament in London. Sollte das Parlament gegen den Brexit-Deal stimmen, werde man riskieren, dass es zu "überhaupt keinem Brexit" oder zu einem ungeregelten Brexit kommen könne, so die britische Premierministerin weiter.

Zuvor hatte der britische Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox sein Gutachten zu den jüngsten Zugeständnissen der EU vorgelegt. Die Zusagen aus Brüssel verringerten zwar das Risiko für eine dauerhafte Anwendung der umstrittenen "Backstop"-Regel, einige Risiken blieben aber bestehen, heißt es in der Stellungnahme. Im Parlament sagte Cox im Anschluss, dass er es aber für "höchst unwahrscheinlich" halte, dass beide Seiten keine Einigung für die irische Grenze erzielen könnten. Die Abstimmung über den Deal im britischen Unterhaus soll am Dienstagabend stattfinden. Eine Billigung des Abkommens gilt nach der Veröffentlichung des Gutachtens von Cox als sehr unwahrscheinlich. Sollte der Deal am Dienstag keine Mehrheit finden, soll das Unterhaus am Mittwoch über einen "harten" Brexit entscheiden. Falls auch dieser abgelehnt wird, sollen die Parlamentarier am Donnerstag über eine mögliche Verschiebung des EU-Austrittsdatums abstimmen. Am 29. März würde es schließlich automatisch zu einem "harten Brexit" kommen, wenn bis dahin keine einvernehmliche Lösung gefunden oder eine Verschiebung beschlossen wird.

Foto: Theresa May, über dts Nachrichtenagentur

TUI stoppt Flüge mit Boeing 737 Max 8

Tui, über dts Nachrichtenagentur

Hannover (dts Nachrichtenagentur) – Nach dem Flugzeugabsturz in Äthiopien am Sonntag und dem darauffolgenden Flugverbot Großbritanniens für die Boeing-Maschinen vom Typ 737 Max 8 hat nun auch der Touristikkonzern TUI alle Flüge mit diesem Flugzeugtyp gestoppt. Der Schritt umfasse alle Fluggesellschaften des Konzerns, um mehr Zeit zu haben, die Angelegenheit mit den entsprechenden Behörden und dem Hersteller zu besprechen, teilte TUI am Dienstag über den Kurznachrichtendienst Twitter mit. Man werde die betroffenen Fluggäste ab Mittwoch über alternative Flüge informieren, hieß es weiter.

Zuvor hatten unter anderem bereits die Behörden in Äthiopien, Australien, China, Malaysia und Singapur ähnliche Schritte verkündet. Bei dem Absturz einer Boeing 737 Max 8 in Äthiopien waren am Sonntag 157 Personen ums Leben gekommen, darunter auch fünf Deutsche. Bereits im Oktober 2018 war eine Boeing 737 Max 8 der indonesischen Billigfluggesellschaft Lion Air kurz nach dem Start abgestürzt.

Foto: Tui, über dts Nachrichtenagentur

Hofreiter sieht in Klimaschutz-Appell Weckruf an Politik

Anton Hofreiter, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter sieht im Appell von mehr als 12.000 Wissenschaftlern, die die Schülerstreiks für den Klimaschutz unterstützen, einen Weckruf an die Politik. "Die Profis haben gesprochen – und sie stehen hinter den Schülerinnen und Schülern", sagte Hofreiter den Zeitungen des "Redaktionsnetzwerks Deutschland" (Mittwochsausgaben). Parlament und Regierung müssten sich mit ihren Forderungen auseinandersetzen.

"Und zwar inhaltlich und nicht durch Scheindebatten um Schulpflicht. Die Verantwortung für ein Umsteuern liegt bei der Politik und nicht auf der Straße", so der Grünen-Politiker weiter. In Anspielung auf den FDP-Chef Christian Lindner, der den demonstrierenden Schülern Unwissen über die technische und wirtschaftliche Möglichkeiten unterstellt hatte, sagte Hofreiter: "Die Faktenlage ist klar: Klimaschutz ist technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll, wird jedoch politisch blockiert." Die Bundesregierung müsse ihre "Klimakrisen-Verdrängungspolitik" beenden. "Der steigende Meeresspiegel und zunehmende Dürreperioden lassen sich nicht aussitzen", so der Grünen-Fraktionschef weiter.

Foto: Anton Hofreiter, über dts Nachrichtenagentur

Scheuer kündigt Sperrung des Luftraums für Boeing 737 Max 8 an

Andreas Scheuer, über dts Nachrichtenagentur

Berlin (dts Nachrichtenagentur) – Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat nach dem Flugzeugabsturz einer Boeing 737 Max 8 am Sonntag in Äthiopien angekündigt, den deutschen Luftraum für Maschinen dieses Flugzeugtyps zu sperren. "Bis alle Zweifel ausgeräumt sind, habe ich veranlasst, dass der deutsche Luftraum für die Boeing 737 Max 8 ab sofort gesperrt wird", sagte Scheuer am Dienstag dem Fernsehsender n-tv. Sicherheit gehe absolut vor, so der Verkehrsminister weiter.

Mehrere Staaten, darunter Großbritannien und Australien, hatten zuvor bereits Flüge mit der Boeing 737 Max 8 verboten. Die Flugzeuge dieses Typs starten und landen zwar nicht in Deutschland, es gibt jedoch zahlreiche Überflüge pro Tag im deutschen Luftraum.

Foto: Andreas Scheuer, über dts Nachrichtenagentur

Leitkultur: Die Geburt des Abendlandes aus dem Geiste der Kultur

Der bekannte Politologe und Exil-Syrer Bassam Tibi hat den Begriff vor 20 Jahren geprägt und der ehemalige deutsche CDU-Vorsitzende Friedrich Merz hat ihn danach politisch publik gemacht. Jetzt erhält das Wort durch die ausufernde Migrationsproblematik und den deswegen anlaufenden „Clash of Cultures“ wieder eine neue Aufladung: Die Rede ist von der Leitkultur.

(Dr. Marcus Franz)

Noch keine klare Definition

Was genau mit dieser Leitkultur gemeint ist, darüber gehen die Meinungen allerdings noch stark auseinander. Die einen, die sich selbst als moderne, liberale und tolerante Europäer betrachten, sehen die Leitkultur (sofern sie den Begriff überhaupt akzeptieren) lediglich als Überbegriff für die Rechtsnormen eines laizistischen und liberalen Europas samt offener Grenzen und einer multiethnischen, multikulturellen Gesellschaft.

Die anderen, eher konservativ denkenden Bürger verstehen darunter exklusiv die abendländischen Kulturinhalte, die im Wesentlichen auf der antiken Philosophie, dem Römischen Recht, dem Christentum und der Aufklärung samt ihrer Proponenten und Epigonen beruhen und die ihre Realisierung in den Nationen und Völkern Kontinentaleuropas fanden. Die Konservativen und die Bürgerlichen sehen auch die jeweils nationalen Historien als Teil der Leitkultur an. Sie sind davon überzeugt, dass jede Kultur immer auch von ethnischen Bedingungen mitgetragen wird.

Das wesentliche dabei ist: Sie bekennen sich dazu und halten diese ihre Kultur für die Beste.

Die westliche Zivilisation ist eine europäische Erfindung

Tatsache ist jedenfalls, dass uns die abendländische Kultur jene Freiheit ermöglicht(e), die der Entwicklung der okzidentalen Intellektualität jenen geistigen Raum gab, aus dem der Rechtsstaat, das westliche Wertegebäude, der Fortschritt und die Kunst erwachsen konnten. Tatsache ist auch, dass das oben genannte konservative Kulturverständnis das besser definierte und in sich schlüssigere Begründungsmodell für die Leitkultur ist. Modernistische Auffassungen von „Leitkultur“ hingegen wagen keine Bekenntnisse, sie sind diffus und nicht konkret definiert.

Amerika ist dabei

Man kann die europäische Leitkultur nicht losgelöst von der US-amerikanischen Geisteswelt sehen, denn die Kulturräume sind ineinander verwoben, auch wenn es teils tiefgreifende Unterschiede diesseits und jenseits des Atlantiks gibt. Die Abendlandwerdung des gesamten amerikanischen Kontinents  ging jedenfalls von Europa aus.

Divergierende Systeme

Konzentrieren wir uns auf die USA: Die kulturellen Unterschiede auf den beiden Seiten des Atlantiks liegen einerseits in den unterschiedlichen Rechtssystemen begründet und andererseits auch im Wesen der beiden großen Revolutionen, die hüben wie drüben stattfanden: Vereinfacht gesagt war die Französische Revolution eher links inspiriert und am Kollektiv orientiert, die Amerikanische eher rechts, am Individuum und an der persönlichen Freiheit ausgerichtet. Diese Tendenzen klingen noch heute nach.

Wohlfahrtsstaat und Individualgesellschaft

Der Nachhall der beiden großen Revolutionen bescherte Europa die Wohlfahrtsstaaten und den USA die Individualgesellschaft. Das trennt die beiden Weltanschauungen nachhaltig. Gerade diese Trennung bildet aber auch die Möglichkeit der ineinandergreifenden und sich ergänzenden Entwicklungen. Niemand würde bezweifeln, dass „Der Westen“ aus Europa und Amerika besteht.

Die USA als Impulsgeber

Freilich ist auch klar, dass die USA seit dem II. Weltkrieg aufgrund ihrer seither bestehenden Vormachtstellung wichtiger Impulsgeber für Europa und seine Freiheit sind. Das ist ein Mit- und Hauptgrund dafür, dass das „Mutterland der USA“, nämlich Großbritannien, eine Sonderrolle in Europa spielt: Die Briten fühlen sich als Lordsiegelbewahrer der Demokratie und des wirtschaftlichen Liberalismus, sie waren und sind der Brückenkopf nach Amerika.

Und was ist mit dem Osten?

Russland war bis zur dritten großen Revolution der Neuzeit – nämlich der Oktoberrevolution – stark europäisch ausgerichtet, aber natürlich aufgrund seiner geografischen Lage auch mächtigen asiatischen Einflüssen und last not least stark der orthodoxen Kirche unterworfen. Der europäische Teil Russlands und das herrschende Wertegebäude sind also ebenfalls dem Okzident zuzurechnen – darüber gibt es kulturtheoretisch wenig Zweifel.

Die Kultur als multifaktorielles Regelwerk

Unsere westliche „Leitkultur“ ist demzufolge die Summe aller klassisch-philosophischen, christlich-jüdischen, aufklärerischen, traditionellen, legislativen, nationalen und ökonomischen Wertehaltungen. Sie umfasst die maßgeblichen sozialen, gesellschaftlichen, politischen, juristischen und künstlerischen Inhalte des Abendlandes und sie ist ein großes Ganzes, von dem jeder halbwegs ernstzunehmende Zeitgenosse genau weiß, wie wichtig es für das Überleben des europäischen Kulturraumes ist.

Der innere Feind

Der größte Feind dieses so wertvollen und für unser Zivilisation lebenswichtigen abendländischen Denkmusters ist heute nicht nur die Massenmigration, mit der anti-abendländische Wertebegriffe nach Europa gespült werden und sich unter der stupide lächelnden Duldung der verantwortlichen europäischen Politiker ausbreiten. Noch gefährlicher als die äußere Bedrohung ist der innere Feind.

Falsche Denkmuster

Dieser innere Feind der Leitkultur ist keine Person oder Gruppe, sondern er besteht aus der weitverbreiteten Beliebigkeit des Denkens, die als Liberalismus, Humanismus und Toleranzhaltung daherkommt und die so vielen Bürgern die Sinne und die klare Sicht vernebelt hat. Das Missverstehen des Liberalismus als Beliebigkeit ist ein haarsträubender intellektueller Kardinalfehler. Er führt unser Denken in ständig neue Kurzschlüsse, die letztlich nur das Ressentiment bedienen und die tradierten kulturellen Werte in Frage stellen. Und diese Denkfehler erzeugen genau jene gesellschaftlichen Spaltungen, von denen unsere Vordenker behaupten, sie beheben zu wollen.

„Kultur“ der Schuldkomplexe

Auch die noch immer nachwirkenden und künstlich aufrecht erhaltenen europäischen Schuldkomplexe, die bei den einen aus der Kolonialzeit gespeist werden und bei den anderen aus den NS-Gräueln, verhindern einen natürlichen und offenen Zugang zum kulturellen Erbe des europäischen Abendlandes. Modernistische und aus der Frankfurter Schule kommende kulturmarxistische Inhalte erschweren im deutschen Sprachraum die ganzheitliche Sicht auf die Leitkultur und ihre Überlebenswichtigkeit.

Die Kinder der Freiheit 

Gerade jene, die heute am meisten von den Freiheiten und den Sicherheiten des abendländischen Kulturraums profitieren, nämlich Intellektuelle, Künstler und Medienleute, leugnen das. Und schlimmer noch, sie wissen oft gar nicht, auf welchem Grund sie stehen und verzichten deswegen auf ein Bekenntnis zur Leitkultur. Vor allem, weil sie irrigerweise meinen, so ein Bekenntnis wäre gegen den Liberalismus, gegen die Toleranz und gegen die Moderne selbst gerichtet.

Jede Kultur muss man pflegen

Dabei muss man die Leitkultur hegen und pflegen, damit in ihr jene Voraussetzungen weiterentwickelt werden können, die unser abendländisches Leben erst ermöglicht haben. Das geht nämlich nicht mit der schon redundanten ständigen Betonung von Leerformeln wie „Toleranz“ und dergleichen. Man muss sie klar definieren und sich klar zu dieser Kultur bekennen – und man muss auch bereit sein, für sie zu kämpfen.

In der Zusammenschau ist alles klar

Diejenigen, die kein Zeugnis für die traditionelle und an Regionen, Nationen und Völker gebundene europäische Leitkultur ablegen, sind entweder naiv, dumm, feige oder einfach böse und zerstörerisch – denn wer sich nicht dazu bekennt und nicht um die Leitkultur kämpfen will, der verrät letztlich das Abendland.

Ohne festen Grund geht es nicht

Das mag alles pathetisch klingen, aber wenn man die Dinge zu Ende denkt, dann folgt auf die Verweigerung des Bekenntnisses zu dem, was man ist und woraus man kommt, stets die Auflösung dieser Conditio sine qua non. Wer kein klares kulturelles Commitment kennt, der hat auch keine Heimat. Und wer keine Heimat hat, der hat auch keinen Grund, auf dem er stehen und vor allem den anderen widerstehen kann.

Und ergänzend dazu:

Die offizielle europäische Politik und deren moralische Leitlinien bergen einige fragwürdige Prämissen. Etliche der oft zitierten europäischen Werte und einige der daraus hervorgehenden Bewertungen sind bei näherer Betrachtung völlig inkonsistent. Diese Fragwürdigkeiten sollen hier zur Sprache kommen.

Meine 7 heiklen Fragen an Europa

1. Wenn alle Kulturen als gleichwertig und gleichermaßen legitimiert anzusehen sind, warum gibt es dann welche, in denen etwa Kinderehen, öffentliche Hinrichtungen oder Ehrenmorde legitim sind, währenddessen diese Handlungen in unseren Kulturräumen unvorstellbar und verboten sind?

2. Welchen heuchlerischen Relativismus betreiben westliche Offizielle, wenn sie ihre Treue zu den universal gültigen Menschenrechten beschwören und im selben Atemzug ihrer pathetischen Beschwörungen solche intellektuelle Trugbilder wie die angebliche weltweite „kulturelle Gleichwertigkeit“ betonen?

3. Wenn die Gleichwertigkeit der Kulturen offiziell nicht in Frage gestellt wird, aber in der Realität für die Menschenrechte gravierende nachteilige Effekte in außereuropäischen Kulturen existieren und diese Anschauungen in zunehmendem Maße nach Europa gelangen, wie valide ist dann unser westliches, rechtsstaatliches Selbstverständnis überhaupt noch – und wie groß ist der Wahrheitsgehalt und die Standfestigkeit der europäischen Politik?

4. Wenn sich europäische Regierungsverantwortliche nicht vorbehaltlos zu ihrer nationalen und autochthonen Kultur bekennen und diese nicht explizit für die beste von allen halten, wie glaubwürdig und authentisch sind sie dann noch?

5. Wenn Politiker nicht bereit sind, mit allen Mitteln für ihre eigene Kultur und ihre eigene Nation einzustehen – wie vertrauenswürdig sind sie dann noch?

6. Wenn die Mehrheit der politischen Verantwortlichen so handelt, wie sie handelt, was haben die Bürger von solchen bekenntnisfreien, opportunistischen und mutlosen Politikern noch zu erwarten?

7. Die heikelste Frage kommt am Schluss: Sind Kulturen, die von sich sagen, sie müssten und werden einem göttlichen Auftrag gemäß die Welt erobern, im Grunde nicht stärker und mächtiger als solche, die ständig nur Toleranz, Nachgiebigkeit, Selbstverleugnung und säkularisierte Gleichheit predigen?

Wer diese Fragen mit einem Minimum an intellektueller Redlichkeit beantwortet, wird leider zu einem geradezu fürchterlichen Ergebnis kommen. Diese erschreckenden Antworten sollten aber jedenfalls unser zukünftiges Handeln bestimmen.

 

Dr. Marcus Franz / thedailyfranz.at

Nicht nur in der EU: Der Gleichheitsgedanke vergiftet uns!

Eines der Vorhaben der neuen österreichischen Regierung lautet, die Familienbeihilfe für Kinder, die im Ausland leben, zu indexieren. Das heißt, die Unterstützung soll an die Kaufkraft an des jeweiligen Landes angepasst werden. Kinder, die in ärmeren EU-Ländern wohnen, erhalten dann weniger Zuschüsse. Jene in reicheren europäischen Ländern aber sogar mehr. Die Erhöhung würde etwa Kinder in der Schweiz, Dänemark oder Norwegen betreffen. Die Idee klingt insgesamt schlüssig und fair, sie war auch in der letzten Gesetzgebungsperiode schon ein Thema.

Kritik der Gleichheitsideologen

Die Gleichheitsfanatiker unter den EU-Rechtsgelehrten und die dem unerbittlichen Prinzip der Gleichheit anhängenden Politiker sind allerdings gegen diese neue Regelung, denn sie würde aus deren Sicht gegen die Gleichheit verstoßen. Der Gedankengang dieser Leute ist natürlich eine Pervertierung der Gleichheit.  Eine solche tritt immer auf, wenn man die Gleichheit zum absoluten Dogma erhebt und vor lauter Gleichmacherei auf Vernunft und Hausverstand vergisst.

Wenn Zuschüsse im Ausland an die dortigen Verhältnisse angepasst werden, ist dies ein Akt der Fairness und der Adaption an andere Verhältnisse und somit klar dem Gleichbehandlungsprinzip entsprechend. Würde man das nicht tun, erhalten ja die Kinder im Ausland in Relation mehr Geld als die in Österreich lebenden. Auf der jetzigen Lösung zu beharren, ist also absurd. Und eben unfair. Es gäbe dann getreu dem Orwellschen Prinzip, das in seinem Jahrhundertwerk Animal Farm herrschte, eindeutig Gleiche und Gleichere (das wären in dem Fall die Kinder im ärmeren EU-Ausland).

Bei der Migration ist es genauso

Ähnlich absurd ist es, wenn Migranten, die als Asylwerber ins Land gekommen sind, schon vor der Entscheidung über ihr Asylrecht der Status eines Österreichers zugeschrieben werden soll und man diese Leute weder in Gemeinschaftsquartieren noch in Großunterkünften unterbringen und dort kontrollieren dürfe, weil das angeblich nicht zumutbar wäre. Und sogar gegen die Menschenrechte verstieße, wie manche Ultralinke monieren. Auch diese verqueren Gedanken entstehen aus dem Gleichheitswahn, der gerade im Asylwesen seine höchst pittoresken Blüten treibt.

Die Faktenlage ist klar: Asylwerber sind weder rechtlich noch im Sinne der Sozialgesetze den Einheimischen gleichgestellt. Wer illegal nach Europa migriert, muss zunächst einmal beweisen, dass es einen gesetzlichen Grund gibt, ihn hier zu behalten. Auch der ständige Ruf nach Integration ist eine Perversion, weil Asyl definitiv keine Einwanderung ist und die Asylberechtigten sobald wie möglich wieder nach Hause zurückkehren sollen. Um in die Integration zu investieren, muss man anderen Bereichen Geld wegnehmen. Das schadet letztlich den echten Einwanderern und natürlich den Einheimischen.

Von der Herberge ins 5-Stern-Hotel

Ein Großteil der  Migranten, die aus dem Orient oder Nordafrika zu uns kommen, kennen die europäischen Verhältnisse nur vom Hörensagen und aus den Bildern im Internet. Sie werden erst durch die Erzählungen über das Sozialparadies Europa zur Reise hierher bewegt. Ihre eigenen ökonomischen und sozialen Verhältnisse sind mit den hiesigen überhaupt nicht zu vergleichen und von Gleichbehandlung zu schwadronieren ist in diesem Zusammenhang geradezu haarsträubend. Dort, wo die Leute herkommen, herrschen völlig andere Verhältnisse.

Den Migranten aus der Denke der Gleichheit heraus den relativen Luxus der Vollversorgung in Privatquartieren und die Freiheiten eines EU-Bürgers anzubieten, ist also definitiv Unsinn und bewirkt nur eine Zunahme des sogenannten „Pull-Faktors“ (also eine Verstärkung des Werbeeffekts in den Herkunftsländern) .

Ein guter Umgang gehört zur Zivilisation

Man kann und soll eine gute und menschenwürdige Versorgung in den noch zu schaffenden Großquartieren garantieren, das versteht sich von selbst. Jede darüber hinausgehende Maßnahme ist aber kontraproduktiv. Wer nach dem Verfahren kein Asylrecht bekommt, muss ohnehin zurück, weil er unberechtigt hierher gekommen ist. Und auch jene Ankömmlinge, die Asyl erhalten, müssen so früh wie möglich lernen, dass Österreich kein Nannystate ist, in dem man ohne Gegenleistung  eine unbefristete Vollversorgung erhält.

Das ist nur fair und gerecht der eigenen Bevölkerung gegenüber, die immerhin die Gesamtkosten für das Asylwesen trägt und sich mit all den Problemen, die aus der Massenmigration bereits entstanden sieht, auseinandersetzen muss.

Und die beste Lösung ist es ohnehin, endlich Asylzonen in Nordafrika zu erreichten, damit die Leute erst gar nicht nach Europa gelangen. Auf diese immer wieder seitens führender EU-Politiker angekündigten Einrichtungen warten wir noch immer.

 

Dr. Marcus Franz / thedailyfranz.at

Warum Überfluss tötet – können Experimente mit Mäusen etwas über unsere Zukunft aussagen?

Ein amerikanischer Ethologe und Verhaltensforscher namens John Bumpass Calhoun begann im März 1947 an der Ohio State University das erste einer Reihe von Experimenten zur Frage, wie sich die Bevölkerungsdichte auf das Verhalten einer Population auswirkt. In einer Reihe von Versuchen mit Nagerkolonien kam er immer wieder zum mehr oder weniger selben, aufsehenerregenden Ergebnis. Das Ganze wurde unter dem Schlagwort „Das Paradies der Mäuse“ bekannt.

(Von Niki Vogt)

Sein erster Versuch dauerte 28 Monate. Er setzte Wanderraten in einem ca. 930 Quadratmeter großen, abgesperrten Gelände aus. Vom Platz und den Lebensbedingungen her hätten dort ca. 5000 Ratten problemlos leben können. Dennoch überschritt die Population nie mehr als 200 Tiere und bewegte sich auf Dauer um die 150 Individuen. Die Tiere lebten auch nicht glleichmäßig im Gelände verteilt, sondern bildeten stets etwa ein Dutzend soziale Gruppen von jeweils ebenfalls zwölf oder dreizehn Tieren. Calhoun stellte fest, dass dies die Grenze für eine optimale Größe der „Rattensippe“ war. Wurden es mehr Tiere, entstand immer öfter Stress und Aggression, so dass die Gruppe sich wieder in zwei kleinere trennte.

Calhoun wollte es genauer wissen und führte verschiedene Versuchsanordnungen mit Ratten und Mäusen durch. In der Zeitschrift „Scientific American“, einem der ältesten und weltweit angesehensten populärwissenschaftlichen Magazine veröffentlichte er einen Artikel unter der Überschrift „Bevölkerungsdichte und soziale Pathologie“ („Population Density and Social Pathology„) mit seinen Beobachtungen:

Viele (weibliche Ratten) waren nicht in der Lage, ihre Trächtigkeit voll auszutragen, oder den Wurf zu überleben, wenn sie es taten. Eine noch größere Anzahl vernachlässigte kurz nach erfolgreichem Wurf ihre mütterlichen Funktionen. Unter den Männchen reichten die Verhaltensstörungen von der sexuellen Abweichung bis zum Kannibalismus und von der frenetischen Überaktivität bis hin zu einem pathologischen Rückzug, aus dem Einzelne nur erscheinen würden, um zu essen, zu trinken und sich zu bewegen, wenn die anderen Mitglieder der Gemeinschaft schliefen. Die soziale Organisation der Tiere zeigte ähnliche Störungen.

Die gemeinsame Quelle dieser Störungen wurde am deutlichsten in den Populationen unserer ersten Reihe von drei Experimenten, in denen wir die Entwicklung von dem beobachteten, was wir eine Verhaltens-Senke nannten.

Die Tiere hätten sich in einer der vier miteinander verbundenen Käfige, in denen die Kolonie gehalten wurde, in größter Zahl zusammengedrängt. Bis zu 60 der 80 Ratten in jeder experimentellen Bevölkerung seien in einem Käfig während der Fütterung zusammengekommen. Einzelne Ratten fraßen selten, außer in der Gesellschaft anderer Ratten. Infolgedessen entwickelten sich extreme Bevölkerungsdichten in dem Käfig, der als Futterplatz angenommen wurde, und ließen die anderen Käfige nur spärlich bevölkert.

[…] In den Experimenten, in denen sich die „Verhaltenssenke“ entwickelte, erreichte die Säuglingssterblichkeit eine Höhe von bis zu 96 Prozent unter den am stärksten desorientierten Gruppen in der Bevölkerung.“

Calhoun stellte danach eine neue Versuchsanordnung auf, in der er aus den gemachte Erfahrungen alle Faktoren vermied, die eine weitere Bevölkerungszunahme verhindern oder die Sterblichkeit erhöhen könnten. Das berühmte Experiment „Universe 25“ startete.

Er baute ein würfelförmiges Habitat von etwa 2,5 x 2,5 Metern Kantenlänge und 1,5 Metern Höhe, in dem alles zur Verfügung stand, was die Mäuse zur ungehinderten Fortpflanzung benötigten. Es gab genügend Nahrung, sauberes Wasser, Material um Nester zu bauen, stets die ideale, gleichbleibende Temperatur von 20 °C, keine Krankheiten, keine Fressfeinde, wie beispielsweise eine böse Katze. Die vier Mäusepaare, mit denen er die Population begann, waren vollkommen gesund und munter. Platzmangel herrschte auch nie, die gesamte Anlage wurde jede Woche gereinigt. Es hätten laut Berechnungen über 9500 Mäuse gleichzeitig gefüttert werden können, die Tiere mussten also nie um den Zugang zum Futter kämpfen. Die Flaschen, aus denen die Mäuse stets frisches Wasser trinken konnten, hätten gleichzeitig 6144 Mäuse versorgen können. Erst ab 3840 Mäusen hätte es Probleme mit Nestern und Unterkünften gegeben. Dennoch überschritt die maximale Anzahl der Bewohner nie 2200 Tierchen. Tierärzte kontrollierten ständig die Gesundheit der Bewohner – und dennoch starb die gesamte Mäusekolonie von ganz allein aus.

Dieser Vorgang von den Pionieren über die Phase der Bevölkerungsexplosion bis hin zum Aussterben verlief in mehreren Phasen.

John Calhoun in dem ausgeklügelten Mäuse-Habitat mit mehreren Etagen, Laufgängen, Nestern, Wasserflaschen, Futterstellen. (Bild: Public Domain via Wikimedia Commons)

Phase A

Die vier Mäusepaare bezogen den Komplex aus Unterkünften, Nestern, Leitern, Gängen, Futterstellen, Wasserstellen, Nistmaterialen usw. und erkundeten neugierig die Umgebung bis ins Detail. Sie sausten schnuppernd und neugierig herum, befanden alles für bestens, hier konnte man sich niederlassen und viele gesunde, junge Mäusekinder in die Welt setzen. Die Pärchen richteten sich ein. Das nannte Calhoun die Phase A.

Phase B

Die nächste Phase begann mit der Geburt der ersten Jungen der Neusiedler. Nun begann das das exponentielle Wachstum der kleinen Nager. Alle 55 Tage verdoppelte sich die Anzahl der Mäuse in dem perfekten Paradies. Ab Tag 315 änderte sich die Geschwindigkeit des Bevölkerungswachstums. Die Anzahl der Mäuse verdoppelte sich nur noch alle 145 Tage. Damit begann Phase C. Aber soweit war alles noch wunderbar, die Mäuse waren gesund und munter und benahmen ganz normal.

Phase C

Als etwa 600 Mäuse in dem perfekten Mäuseparadies lebten, geschah etwas Erstaunliches. Es bildete sich eine Hierarchie, sozusagen „gesellschaftliche Klassen“ und neue soziale Regeln innerhalb dieser Klassen. Man begegnete sich viel öfter, musste wissen, wer was zu sagen hatte, wer dominant war, zu welcher Gruppe man gehörte. Es gab 14 Gruppen, in denen sich die „gesellschaftlich Anerkannten“ organisiert hatten, und in denen sie sich sehr wohl fühlten. Man kannte sich und kam gut miteinander aus, eine zu große Gruppe hätte Stress bedeutet. Die eigenen Nachkommen waren daher zuviel und wurden recht rüde ausgestoßen, man wollte unter sich bleiben. Nur wenige junge Mäuse konnten sich einen Platz im „Establishment“ erobern.

Die Ausgestoßenen aus allen Clans, etwa 400, sammelten sich in der Mitte des Habitats. Aber auch da entstand keine neue Gruppe mit funktionierenden Regeln. Die Desperados wurden von der High Society zu „Pack“ erklärt und behandelt, wie „der letzte Dreck“. Die Erniedrigten und Unterdrückten reagierten mit ausufernder Gewaltbereitschaft und begannen, sich gegenseitig anzugreifen. Zerbissene Schwänze, multiple Bissverletzungen am ganzen Körper, ausgerissene Fellstücke, endloser Stress, obwohl es weder an Futter noch Wasser mangelte – nicht einmal an Platz. Das zermürbte die Tiere physisch und psychisch: Sie ließen sich gegenseitig keine Möglichkeit mehr zu Rückzugsgebieten und zur Fortpflanzung.

Die Mäuse-High-Society dagegen vermehrten sich weiter. Das Problem bestand darin, dass die idealen Bedingungen den etablierten Mäusen ein sehr viel längeres Leben ermöglichten. Die erfahrenen Alten räumten ihren Platz nicht, wollten aber die Jungen nicht aufnehmen, weil das die Gruppengröße gesprengt hätte, in der sie sich kannten und wohlfühlten. Die Jungen wurden vertrieben und als Ausgestoßene niedergehalten, damit sie nicht wagten, doch zurückzukommen.

Besonders für die jungen, ausgestoßenen Männchen war das ein Desaster. Sie zerbrachen psychisch. Nach einer Weile waren sie nicht mehr in der Lage, sich eine Rangstufe zu erkämpfen. Lediglich aggressive „Ausraster“ gegen andere Leidensgenossen oder Zurückbeißen bei Angriffen der anderen war noch möglich. Sie verteidigten ihr trächtiges Weibchen nicht mehr und drückten sich davor, irgendeine „soziale Verpflichtung“ auf sich zu nehmen. Sie zeigten weder Interesse, eine soziale Stellung zu erobern, noch Vaterpflichten oder Schutz der Familie wahrzunehmen.

Männchen, die den Kampf um ihr Territorium verloren, zogen sich zurück und wurden apathisch. Jene, die gewannen, zermürbten die ewigen Kämpfe. Die Territorien wurden kleiner, bis ihre Verteidigung ganz aufgegeben wurde. Das ließ die Weibchen mit den Jungtieren schutzlos zurück, was wiederum deren Aggressivität steigerte. Zudem vergaßen die Mütter zunehmend einige ihrer Jungen, wenn sie von einem alten Nistplatz an einen neuen zogen. Generell verließen die Jungtiere ihre Mütter, bevor sie reif waren. Diese Verhaltensweisen führten zum Zusammenbruch der sozialen Organisation“

Die trächtigen Weibchen gerieten unter maximalen Stress. Sie wurden vom dazugehörigen Männchen nicht mehr gegen die Angriffe der anderen Unterdrückten geschützt. Die Weibchen wurden in der Folge aggressiver, um sich und ihren Nachwuchs selbst zu schützen. Trächtig zu werden war nunmehr für die Weibchen ein enormer Nachteil. Nach einiger Zeit entflohen die Mäuseweibchen dem Wahnsinnsstress unten im Gehege unter den Ausgestoßenen, indem sie ihre Jungen töteten und in die obersten Nester umzogen, wo sie zu aggressiven Einzelgängerinnen wurden. Sie ließen keine Männchen mehr an sich heran. In der Folge fiel die Geburtenrate enorm. Immer mehr Weibchen entzogen sich der Kopulation und Fortpflanzung, starben während sie trächtig waren oder unter der Geburt oder töteten und fraßen ihre frischgeborenen Jungen. Die Todesrate unter den Jungtieren stieg stark, die Population nahm stetig ab.

Phase D

Diese Grafik zeigt die Anzahl der Geburten in den verschiedenen Wohneinheiten des Mäuse-Habitats

Nach dem Exodus der meisten jungen, fruchtbaren Weibchen in die selbstgewählte Einsamkeit, folgt die „Todesphase“, wie Calhoun sie nannte. Nun zeigten sich auch atypische Verhaltensweisen unter den ausgestoßenen „Pack-Männchen“. Die neue Kategorie von Männchen weigerte sich, überhaupt für oder gegen etwas zu kämpfen. Sie umwarben keine Weibchen mehr, zeigten kein Interesse an Paarung und entzogen sich jeder Art von Herausforderung. Calhoun nannte sie die „Schönlinge“, weil sie im Unterschied zu den Desperados keine zerbissenen Schwänze und zerrupftes Fell, keine Narben und blutige Wunden aufwiesen, sondern wohlgenährt, gesund und hübsch aussahen und sich nur um ihren Körper kümmerten. Sie verbrachten das Leben ausschließlich mit Fressen, Trinken, Sich-putzen und Schlafen.  Sie pflegten wahllose homosexuelle Kontakte untereinander und lebten nur für die Vergnügungen.

Die letzten Geburten im Mäuseparadies verebbten nach und nach. Die „Schönlinge“ und die Einsiedler-Mäusinnen waren die weitaus überwiegende Mehrheit, es wurden kaum noch Mäuse geboren.

Dabei stieg das durchschnittliche Alter ständig an. In dieser letzten Phase betrug das Alter, das die Mäuse im Durchschintt erreichen konnten 776 Tage. Das waren 200 Tage länger, als Mäuse zeugungsfähig sind. Die Todesrate unter den Jungtieren erreichte fast 100%, die wenigen Jungtiere wurden gefressen oder starben an Vernachlässigung. Es gab kaum noch „Schwangerschaften“. Dafür aber, trotz Überfluss an Nahrung, Kannibalismus.

Die Mäuse-Wohlstandsgesellschaft sah ihrem endgültigen Untergang entgegen:

Seit einem Jahr wurde in dem Nager-Asyl kein Nachwuchs mehr geboren; bis Anfang letzten Monats schrumpfte die Zahl der Bewohner auf 1600. Und in der verbliebenen Mäuse-Population sind mittlerweile auch die jüngsten der noch lebenden Weibchen schon in den Wechseljahren – sie werden kaum mehr fähig sein, Nachwuchs zu produzieren. Die jüngste Maus im Boarding-Haus, so ermittelte Calhoun, ist – übertragen auf die menschliche Lebensspanne – etwa 40 Jahre alt.“

Die Mäuse in dieser perfekten Wohlstandsgesellschaft starben von da ab rasant weg. Am Tag 1780 seit Beginn des Experimentes starb die letzte Maus im Mäuseparadies.

Während „Phase D“ gab es noch „Seitenexperimente“, bei denen John Calhoun und sein Kollege H. Marden immer wieder kleine Gruppen von Mäusen aus dem Habitat herausnahmen und als Pioniere in neue, geräumige, ideale Umgebungen setzten, genau, wie die Ureltern des Haupt-Experimentes.

Die Einsiedlerweibchen und die Schönlinge waren in derselben Situation, wie ihre Stammeltern. Zum Erstaunen der Wissenschaftler änderten sie ihr Verhalten aber nicht. Beide Geschlechter verweigerten sie Erfüllung ihrer natürlichen Pflichten, es gab keine neue soziale Struktur und keine Jungen. Die Mäuse waren weiter Einzelgänger, beschäftigten sich nur mit sich selbst, und blieben steril. Sie starben alle an Altersschwäche. Dieses Phänomen wurde bei allen umgesiedelten Gruppen beobachtet. Alle Mäuse starben trotz idealer Bedingungen als unfruchtbare, a-soziale Einzelgänger aus.

Diese Grafik zeigt die Entwicklung der Mäusepopulation in den verschiedenen Phasen A-D

Und die Moral von der Geschicht?

Es gibt keine Berichte darüber, was geschehen wäre, hätte man Gruppen des „Packs“ und/oder der Einzelgänger in einer neuen Umgebung einem Überlebensstress ausgesetzt, zum Beispiel Fressfeinden oder Nahrungsmittelknappheit. Oder was passiert wäre, hätten sie sich in einer „gesunden Gruppe“ anschließen können. Natürlich kann man von Mäusen nicht eins zu eins auf Menschen schließen, wie es damals oft als Kritik an diesen Experimenten formuliert wurde.

Aber es gibt Gesetze des Lebens, die für alle Lebewesen im Großen und Ganzen gleich sind.

Diese Experimente wurden in den sechziger und siebziger Jahren durchgeführt. Damals waren sie aufsehenerregend. Aber es gab damals auch die geburtenstarken Jahrgänge, das Wirtschaftswunder, und die blühende, soziale Marktwirtschaft. Hätte man die Mäuse in ihrer „Phase B“ gefragt, ob sie sich die Zustände der „Phase C“ vorstellen könnte, hätten sie das sicher für verrückt gehalten.

Es ist überflüssig, den verehrten Leser auf etwaige Parallelen der heutigen Gesellschaft und den „Phasen C und D“ hinzuweisen, sie sind zu augenfällig. Allerdings haben wir seit einiger Zeit völlig neue, gesellschaftliche Bedingungen, unter denen sich aggressiven Einsiedlerweibchen und die passiven Schönlinge die Sache nochmal anders überlegen könnten.

 

 

Weitere Informationen:

https://www.scientificamerican.com/magazine/sa/1962/02-01/#article-population-density-and-social-patho

https://en.wikipedia.org/wiki/Behavioral_sink

https://www.smithsonianmag.com/smart-news/how-mouse-utopias-1960s-led-grim-predictions-humans-180954423/

http://mysteriousuniverse.org/2015/03/the-amazing-rise-and-fall-of-a-rodent-utopia/

https://steemit.com/psychology/@natord/a-comparison-of-our-society-with-the-mouse-paradise-with-my-examples

https://de.wikipedia.org/wiki/John_B._Calhoun

http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43257738.html

http://folio.nzz.ch/2016/februar/dichtestress-im-maeusekaefig

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